Hund und Katze – Gedicht von Wilhelm Busch

Ein schönes Gedicht über die schlaue Katze Miezel und den begabten Hund Molly, die zwar am gleichen Platze wohnten, aber sich (eigentlich) aus Herzensgrund hassten. Aber eben nicht über den tod hinaus.

Gedicht von Wilhelm Busch aus Zu guter Letzt in Hisotrisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden, Band 4, Seite 311 bis 312. Erstausgabe 1904.

Hund und Katze (Busch)

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.

Über den Autor Wilhelm Busch

Am bekanntesten dürfte natürlich seine Geschichte von Max und Moritz sein, dicht gefolgt von Die fromme Helene. Wilhelm Busch lebte von 1832 bis 1908. Er war ein Autor bzw. Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten.  Das Werk Hund und Katze stammte aus Zu guter Letzt, die letzte Veröffentlichung zu Wilhelm Buschs Lebzeiten.

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